Das Projekt „Die Geschichte Rätoromanischen Schmucks- und dessen Neuinterpretation", trägt den Titel „Rätoredesign". 2019/2020
Ein Projekt welches durch ein ausgehändigtes Stipendium der Deutschen Gesellschaft zu Stockholm möglich wurde.
Ich habe den traditionellen Schmuck erforscht, deren Herkunft recherchiert und meine eigene Interpretation gezeichnet und hergestellt. 
Ich hatte das grosse Glück mit Hilfe von Eduard Gaudy und seinen Mitarbeitern einen fundierten Einblick in das Handwerk des Goldschmiedes zu erlangen. Herr Gaudy betreibt ein renommiertes Goldschmiedeatelier in Stockholm. Durch ihn konnte ich verschiedene Techniken erlernen und sogar das Giessen in einer Sepia ausprobieren.
Meine Vorfahren, meine Familie und ich sind ein Teil der Rätoromanischen Kultur. Das Engadin ist das Tal in der Schweiz, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Die Geschichte der Rätoromanen geht sehr weit zurück. Hinter den traditionellen Schmuckstücken und Kleidungsstücken stecken Mythen die nicht allen bekannt sind. Über die wollte ich mehr wissen und mich damit auseinandersetzten.
Im September  2019, bin ich nach Rijeka und Venedig gereist, um dem Ursprung der Geschichte dieser Schmuckstücke nach zu gehen. Die Bündner, so nennt man die Leute aus unserer Region, haben seit der Renaissance mit Norditalien Handel getrieben. Venedig stützt sich heute noch auf Holzpfählen aus den Lärchen unserer Wälder, die über die Etsch transportiert wurden. Wir Rätoromanen hatten eine mächtige Stellung in Venedigs Handel. Wir konnten uns mit ihnen durch unsere Rätoromanische Sprache, einem Vulgärlatein, sehr gut verständigen.
Engadiner Tracht (rechts), 
traditionelle Morins  von Jean-Pierre Ruchti, Goldschmied, Valendas, CH (links)
Viele Männer sind Monate lang unterwegs gewesen und haben ihren Frauen dafür kostbare Stoffe und Schmuck nach Hause gebracht. Daher kommt die Seide, das rote Wolltuch in unserer Tracht und der dazugehörige Schmuck.
Der Doge hat sich bei den Bündner stark verschuldet und als die Pest wieder einmal die Stadt Venedig heimgesucht hat, wurden die Rätoromanen Mitte des siebzehnten Jahrhunderts aus der Stadt vertrieben. Man hat sie zusammen mit der jüdischen Bevölkerung für die Pest verantwortlich gemacht und ist somit elegant auch gleich die Schulden los-geworden! Hinter den Ohrringen, welche einen hohen traditionellen Wert haben, stehen zwei legenden. Eine stammt aus Kroatien und die andere aus Venedig.
Im 17.- 18 Jh. spielte Venedig eine sehr große Rolle im Welthandel, speziell für Kroatien. Rijeka gehörte damals zu Venetien, unter dem Namen Fiume, und hatte einen mächtigen Hafen. Man brachte neben Gewürzen, Essenzen für Parfüms, Kleidern, Stoffen und Schmuckstücken auch Sklaven in orientalischer Kleidung in die Paläste der reichen venezianischen Patrizier. Die Venezianische Variante  war weitaus üppiger und kostbarer. Für das Gesicht hat man Ebenholz oder Onyx genommen. Die Morcics aus Rijeka sind schwarz emailliert.
Noch heute werden sie an der Piazza San Marco in diversen Schmuckläden ausgestellt und verkauft. Der edelste Moretto, wie sie in Venedig liebevoll genannt werden, stellt der Juwelier Nardi her.
Konditorei Caflisch (neue Firma) in Palermo um 1900. 
Dolf Kaiser, “Neues von den Zuckerbäckern aus Graubünden Nachtrag zu einer Bestandesaufnahme”, 2001
Die Bündner Einwohner waren schon vor dem 16. Jh. in Italien und anderen Ländern als Händler, Söldner oder Zuckerbäcker tätig. Durch die vielen Kriege, die damals herrschten, entstanden zwischen den Völkern Konflikte. Die Beziehungen der Zollbehörde und des Militärs gerieten ins Wanken. Doch der Handel zwischen Graubünden und Italien wurde immer weiter ausgebaut. Bündner Schlachtvieh, Engadiner Käse und Lavezgeschirr aus Plurs wurden in die Stadt Venedig exportiert. Venezianisches Salz und Korn fand seinen Weg in unser Tal.
Immer mehr Engadiner begannen ihr Gewerbe in Venedig und in der Lombardei aufzubauen. Die Anzahl der Bündner in Venedig betrug im Jahre 1600 bereits 3000.
Inspiriert von der Geschichte meines Volkes und den Legenden hinter dem Schmuckstück habe ich meine erste Schmuckkollektion entworfen. Sie besteht aus einem Anhänger, der in Silber gefertigt ist und sowohl als Armband, Kette als auch Ring getragen werden kann. Alle Schmuckstücke in dieser Kollektion haben eine gehämmerte Oberfläche, die sie miteinander verbindet und ihnen einen einzigartigen Charakter verleiht. Der Anhänger selbst zeigt eine Nase und einen Mund – zwei Gesichtszüge, die bewusst gewählt wurden, um ein einfaches, aber ausdrucksstarkes Design zu schaffen. Die Oxidierung des Metalls verleiht den Schmuckstücken zusätzlich eine symbolische Bedeutung und hebt sich durch den Kontrast zum Silber hervor.
Meine Kollektion besteht aus einem Hauptteil, dem Anhänger, einer Kette, einem Ring und einem Armband. Das Muster der Oberfläche ist auf jedem Schmuckstück ersichtlich. Durch kleine Gewinde, die an der Rückseite und am Kopf des Anhängers liegen, wird das Hauptteil jeweils befestigt.